Riegers Vorzugsstimme
Juli 21, 2008
Eigentlich wollte ich diesen Blogeintrag über Al Gore schreiben. Ich schreibe ihn auch über Al Gore, weil ich damit hoffe, auf Dich zu antworten. Als ich heute nochmals seine Washingtoner Rede vom Donnerstag nachlas, stiess ich wiederum auf jenen Doppelsatz, der mich schon beim ersten Zuhören wahrlich elektrisiert hat. Ich stelle ihn hier ganz unkommentiert hinein:
„We are borrowing money from China to buy oil from the Persian Gulf to burn it in ways that destroy the planet. Every bit of that’s got to change.“
Das ist einer jener Fälle, wo ich mich hinknien möchte vor demütiger Begeisterung. Du kennst mich gut genug, um zu wissen, dass das hie und da geschieht, zum Beispiel, wenn Carlos Kleiber den „Rosenkavalier“ dirigiert in der Staatsoper im Winter 1994 oder ich das erste mal Feigensenf zur Käseplatte probiere in der Schleifmühlgasse vor zwei Jahren.
Albert Gore Junior gelingt es damit, die globale Herausforderung am Beginn des 21. Jahrhunderts in einem einzigen Gedanken gültig zusammenzufassen. Zack. Here we are. Dieser Satz schafft ein für alle mal gültige Wahrheit, ja mehr noch: Wirklichkeit. Das ist ja wirklich wahr.
Niemand kann ab heute mehr hinter diesen Gedanken zurück. Und selbstverständlich ist es notwendig, dass dieser Gedanke von Herrn Albert Gore Junior ausgesprochen wird, „who used to be the next president of the United States.“ Selbstverständlich ist es notwendig, dass er in den Jahrzehnten davor Politikkarriere gemacht hat, bis ins Weisse Haus und darüber hinaus.
Daher kandidiere ich diesmal für die Grünen bei der Nationalratswahl. Warum dirigiert Carlos Kleiber den „Rosenkavalier“? Warum beginnt Maria Montessori vor hundert Jahren, mit Kindern zu arbeiten? Warum setzt sich Albert Einstein irgendwann mit den Experimenten von James Clerk Maxwell auseinander? Und warum hält Albert Gore am Donnerstag diese Rede?
Manchmal spüren wir Menschen, dass es passt. Da müssen wir diejenigen Dinge tun, die wir tun wollen. Und so will ich diesmal für die Grünen kandidieren. Und weil ich spüre, dass es passt, tue ich es dann auch. Worum es mir dabei grundsätzlich geht, habe ich in meiner Kandidatur formuliert: Kandidatur 2008. Dieser Text ist mein erstes Programm. Da steht drinnen, was mir politisch wichtig ist.
Ich bin ein Staubkorn im Universum. Und gerade deswegen freue ich mich, wenn Du mich wählst.
Lieblingsfarbe: Grün
Juli 18, 2008
Vorgestern erhielt ich ein Mail, in dem für den nächsten Tag eine historische Rede meines Helden Al Gore angekündigt wurde. Heute früh sah ich diese Rede auf wecansolveit.org und las mittags einen Artikel darüber in der New York Times. Al Gore spricht darin über das dreifache Problem der USA – Sicherheit, Wirtschaft und Umwelt – und die einfache Lösung: Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen innerhalb der nächsten zehn Jahre und Umstieg auf erneuerbare Energie.
Gestern fand ich einen Brief der Grünen in meinem Postkasten. Darin enthalten war eine Einladung. Heute Vormittag, auf dem Weg zur Arbeit, beschloss ich, diese Einladung anzunehmen. Ich kandidiere für die Grünen bei der Nationalratswahl 2008.
Bitte keine Schweinderl
Juli 16, 2008
Lieber Wurm, ich klage an: Ich habe zwei Stunden meines Lebens vergeudet, um in Politikerbiographien nach passenden Töchtern zu suchen. Freilich ohne Ergebnis. Ich warne Dich: wenn Du nochmal so ein blödes Rätsel stellst, kauf ich mir so ein Moltofon und interveniere noch bevor Du die Überschrift fertig getippt hast.
Und nachdem das Basteln von Wahlplakaten gerade en vogue ist, überbringe ich meine Botschaft in Form eines Wahlplakats – ich hätte natürlich viel mehr und bedeutenderes zu diesem Thema zu sagen, aber die Form verlangt einfach nur ein grosses Gesicht und eine schlichte Botschaft. Alles andere bleibt ohne Erfolg. So wie die erste Staffel von Robert Lembke’s Schweinderl-Show, die anno 1955 unter dem kuriosen Titel „Ja oder Nein. Ein psychologisches Extemporale mit sieben unbekannten Größen“ gescheitert ist. Natürlich schade um den herrlichen Titel …
Wie Du weisst habe ich ja auch kurz gezuckt, mich an der Grüne-Plakate-Aktion zu beteiligen, doch so hoffnungsfroh der ganze losgetretene Prozess auch ist, finde ich mittlerweile doch, dass es ohnehin reichlich Schweinderl gibt, die nun monatelang von den Plakatständern gucken und die Passanten verschrecken werden. Mein Rat an die Grünen daher: Macht was sinnvolles und lustiges aus der ganzen Aktion, aber KEINE PLAKATE. Die wahre Herausforderung: wie kann ein derartiger Dialog auf jene übergreifen, die nicht Eure sowieso-schon-Wähler sind.
Fröhliches Personenraten
Juli 14, 2008
Sie werden gerne als Workoholic dargestellt, der die Akten sogar am Nachtkästchen liegen hat…
„Es stimmt, dass ich oft erst gegen 2 Uhr morgens nach Hause komme, weil ich viel durch die Bundesländer toure und selbst im Auto noch Akten lese, aber wenn ich dann nach Hause komme, dann lese ich nichts mehr (lacht).“
Ist die Tagespolitik auch Thema in Ihrer Ehe oder vermeiden Sie sie bewusst?
„Ich werde von meiner Frau hart kritisiert und manchmal sogar härter als in der Partei und das heisst was, in Zeiten wie diesen (lacht).“
Ihre Tochter ist fünf Jahre alt, also in einem besonders süßen Alter. Fehlen Sie ihr, fragt Flora oft nach Ihnen?
„Ja, sie fragt schon öfters nach mir. Ich bemühe mich, dass ich sie einmal pro Woche zum Kindergarten bringe. Aber das stresst mich mehr als ein parlamentarischer Ausschuss, weil sie sich natürlich alle Zeit dieser Welt lässt und oft noch fünfmal das T-Shirt wechselt, bis wir ausser Haus gehen können (lacht).“
Wer ist der Strengere bei der Erziehung?
„Das kann ich eindeutig beantworten. Ich bin es nicht, weil ich meistens für die Argumente meiner Tochter leichter zugänglich bin (lacht).“
„Deswegen ist unsere Tochter auch ein ausgeprägter Hansi Hinterseer-Fan, weil sie bei den Großeltern alle CDs hört (lacht).“
Wer bin ich?
Bobos
Juni 29, 2008
Ich schreibe hier nur unter Protest. Bobos sind zum Kotzen.
Bobos und der bobotalk …
Juni 28, 2008
Masterblogger helge ist unlängst mit seiner Kamera durch das bunt schillernde nächtliche Türkei-gegen-Kroatien-Ottakring gezogen und hat die Bilder des nicht stattgefundenen Gemetzels unter dem, der Standard-Redaktion entlehnten Titel „Bobos gehen Türken-schauen“ zur Schau gestellt. Denn wie’s scheint, waren die Schau-, Fotografier- und Schreiblustigen ungefähr gleichermassen lustig und vertreten, wie die rivalisierenden Fussballjunkies.
Das riecht naturgemäss sehr nach „na denen Bobos muass fad sein“. Dabei konnten weder Helge noch die Standard-Redakteure wissen, dass schon Monate zuvor Picha, Rieger und Wurm in österlichem Ennui beschlossen, als und wie „Bobos“ gemeinsam gegen- und füreinander zu bloggen. Ist doch ein durchaus standesgemässer Volkssport, fanden wir.
Also sind wir jetzt: fertig, feuer – Bobos!
