It\'s a very complicated case

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Weil ich in Asien lebe? Naja. Die Ferne wirkt zwar per se heimatsidentitätsstiftend und Österreich ist einfach zu klein und unbedeutend als dass es von hier aus im Fernrohr sichtbar wäre. Aber der Blick aus dem Osten lässt in mir auch die Frage aufkommen: warum versucht EU-Europa eigentlich (erfolglos und von Minderwertigkeitskomplexen geplagt) zu den “besseren USA” zu werden? Ist die Marschrichtung des gescheiterten Lissa-Bonner Vertragswerks – und damit die Stärkung der Union gegenüber den Nationalstaaten – soetwas wie ein historischer Zwang?

 

Wie auch immer, diese Frage ist mir jetzt zu kompliziert. Die Antwort, warum ich politischer Europäer bin, ist da viel einfacher: wie so vieles liegt sie in der Kindheit begründet. Als ich mich in unreifem und junfräulichem Alter irgendwie in die “Schulsprechung” und den damaligen Bundes-Schülerbeirat verirrt hatte, war ich genötigt eine Reihe von unnötigen Seminaren zu besuchen. (Immerhin besser als im Unterricht zu schlafen …). Und da kam ich auf Schritt und Tritt neben jeder Menge wunderbarer und intelligenter Menschen naturgemäß auch mit einigen grindigen Möchte-gern-Nachwuchs-Politkern zusammen. Und der grindigste, besessenste von allen, der hatte es doch tatsächlich ein paar später geschafft, sich als Nationalratsabgeordneter wichtig zu machen. 

Wenn ich Politiker höre, sehe ich sein Gesicht vor mir, und es stellt mir die Haare auf. Wäre dieser jene nun Bürgermeister in meiner Gemeinde – ich müsste definitiv ausziehen. Wäre er Bundeskanzler – ich müsste mich ärgern ohne Ende. Wäre er in Brüssel, würde er einfach in der grossen Zahl untergehen und ich wäre einigermassen beruhigt.

Das ist es. Das ist meine ganz pragmatische EU-Begeisterung. Die grosse Zahl, der grosse Kompromiss, die grosse Bürokratie. Ein einzelner Provinz-Blindgänger kann da einfach weniger Schaden anrichten. Aber damit sind freilich die wahren und globalen Probleme der EU noch nicht einmal angesprochen …

4 Responses to “Warum ich Europäer bin”

  1. Wurm Says:

    Im September 1991 bin ich nach einem halben Jahr als Entwicklungshelfer in Ecuador auf der Aussichtsplattform des Flughafens von Guayaquil gestanden und sah die KLM-Maschine anrollen, die mich eineinhalb Stunden später in Richtung meiner Heimat mitnehmen sollte. Die hatte ganz oben auf ihrem Leitwerk zwei kleine Flaggensymbole aufgeklebt: Eines Rot-Weiss-Blau gestreift und ein zweites in Blau mit gelben Sternen. Und da wusste ich: Da gehöre ich hin.

  2. picha Says:

    also ist unüberschaubere größe ein vorteil: der tepp fällt nicht so auf? die eu als kotzbrocken-endlager …

  3. Rieger Says:

    Die EU ist doch wirklich perfekt! Es geht zwar auch nicht viel weiter, aber wurscht … jetzt haben wir zum Beispiel 6 Monate Bling-Bling, und dann kommt ganz automatisch und ohne wählen wieder eine neue Abwechslung! Und das Parlament in Strassburg eignet sich sehr als Endlagerstätte … da hört man kaum etwas nach aussen dringen!

    @Wurm: Guayaquil klingt ja wie die Hölle! Gelbe Sterne als Erlösungsbotschaft? ;)

  4. Wurm Says:

    @Rieger: Ja. Gelbe Sterne als Erlösungsbotschaft. Das hat mich geprägt und lässt mich nicht mehr los. Kotzbrockenendlager hin oder her…


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