Die Kirche im Dorf lassen
August 9, 2008
Oder: lasst doch die Spiele Spiele sein. Enough China-Bashing already. Lasst die Spiele endlich beginnen und die Kirche dabei im Dorf.
So ein Zufall aber auch – just während Herr Putin mit knapp hundert anderen Staatsgästen das spektakuläre Feuerwerk im Lande der altvordersten Feuerwerker begafft, werden Bomben der regionalen russischen “Friedens- und Ordnungsmacht” über Georgien abgeworfen. Nein, nicht über der von Georgien abtrünnigen Kaukasus-Republik – über “mainland Georgia”, quasi.
Hauptsache die euroäischen (und amerikanischen) Medien sind monatelang damit befasst, ihre politisch korrekten Zeigefinger auf China zu zeigen. Ich kanns schon nicht mehr hören: “Menschenrechte – die grossen Verlierer der Spiele. Tibet! Grosszügige Achitektur: Machtdemonstration. Stadtsanierung: Menschenvertreibung. Eine lange gerade Strasse plus ein englischer Städteplaner namens Speer: Berlin lässt grüssen. Eine olympische Tanzeinlage im IOC-Stil: Gänsehaut und Nazispiele.
Danke, es reicht. Wenn die Pekinger Spiele eines bei mir bewirkt haben, dann dieses: Hut ab vor den Chinesen. Respekt.
Denn irgendwie sind diese Chinesen (und nicht nur jene am Festland) schon ein bemerkenswertes Volk. Ein sehr pragmatisches Volk! Jössas … des halbe Internet is gesperrt? Na gut – dreh’ma’s halt wieder auf, a bissi. Harmonie vor Machtanspruch. Handeln vor Politik. Während Putin in seinen Satelliten-Staaten Krieg führt/führen muss, Bush sowieso überall wo’s nach Öl riecht zu Stelle ist, und le President Bling-Bling, der so glamourös und repektvoll die Pariser Vorstädte regiert, sich derweilen eloquent in europäischem Menschenrechts-Talk sonnt, handeln die Chinesen. Und zwar sprichwörtlich. Der amerikanische Flaggenträger ist ein Immigrant aus Darfur. Eine Aufforderung, die sudanesische Regierung mit einem Handelsboykott zu belegen. Doch die Chinesen handeln gerne, und glauben zudem, dass ein Handelsboykott kontraproduktiv ist und die Region kaum zur Ruhe kommen wird, wenn man sie aushungert. Also handeln sie weiter.
Handeln ist immer noch besser als Nicht-Handeln. Handeln, und wirschaftliche Entwicklung ganz generell sind offensichtlich das einzig nachhaltige Rezept unserer Zeit gegen Chaos und Krieg – und langfristig auch gegen Diktatur. Die Volksrepublik China weiss das – und ist sich selbst ist das beste Beispiel. Sie macht seit mehreren Jahrzehnten gewaltige Veränderungen durch, deren Ausmass wir uns gar nicht vorstellen können. Wie wir gesehen haben kann man zwar eine 15-Millionen-Stadt innerhalb von 7 Jahren komplett umbauen, aber wir sollten froh sein, wenn ein politisches System, das 1,3 Milliarden Menschen “regiert”, sich ein wenig behäbiger wandelt. Es wandelt sich ohnehin atemberaubend schnell. Und tiefgreifend. Die Freiheiten, die die Chinesen heute geniessen, waren vor 15 Jahren noch absolut unvorstellbar. 15 Jahre … was sind 15 Jahre in einer 5000-jährigen Geschichte.
15 Jahre und ein paar mehr – und die historische Chance, den ersten tiefgreifenden politischen Wandel in einer 5000-jährigen Geschichte zusammenzubringen, der ohne Bürgerkrieg vonstatten geht. Namhafte Sinologen machen zwei Dinge ganz klar: Demokratie und Menschenrechte interessieren die Chinesen (im Moment!) einen Scheissdreck. Und die schnelle Alternative zu einer Diktatur in China ist nicht Demokratie, sondern Bürgerkrieg. Hello Dissidenten – bei allem Respekt und Hochachtung vor Euren Idealen: you know the rules, don’t get caught – and one step at a time. Stetig Tropfen hölt den Stein. Der Spruch klingt eh so konfuzianisch …
15 Jahre und ein bisschen mehr – man schaue sich an, was in dieser Zeit in Russland passiert (ist). Das ist ein Horroszenario. Es gibt halt keinen Knopf, mit dem man über Nacht die liberale Demokratie aufdrehen kann. Und selbst wenn – welche? Eine Demokratie à la Ballhausplatz am Platz am Himmelsfriedens-Tor ? Ein halbes Jahr regieren, ein paar Jahre streiten und wenns gar nimma geht, dann die Wahlen vorverlegen – drei Monate Wahlkämpfen und dann ein halbes Jahr Koalitionsverhandlungen führen, während sich die pragmatisierten Beamtenstäbe vor lauter Langeweile mit der Observation von Tierschützern beschäftigen?
In Wahrheit schauen die Chinesen nach Europa und lachen sich eins. Der neue Mercedes – jaja, habenwill … aber eine europäische Sozial-Demokratie? Uiiii …. nein, Moment, das passt aber gar nicht in unseren Plan. Was sollten wir damit anfangen?
In den kommenden 15 Jahren werden ca. 300-400 Millionen Chinesen vom Land in Städte ziehen, die es noch gar nicht gibt. Und von der Landwirtschaft in Arbeitsplätze, die erst geschaffen werden. Das letzte, was die Chinesen in diesen Zeiten brauchen, ist wahrlich ein “Genug gestritten”-Wahlkampf. Jawohl, China, namentlich die Volksrepublik China, wird von einem immer noch relativ autoritären, offzilell kommunistischen Regime regiert, das sich so ungerne in seine inneren Angelegenheiten hineinregieren lässt. SO WHAT! In Wahrheit wird dieses Regime schon längst von einer aufstrebenden, global orientierten Marktwirtschaft vor sich hergetrieben, und von einem prosperierenden “bürgerlichen” Mittelstand getragen, der längst Teil der Einheitspartei geworden ist. Chinesen – namentlich Festlandchinesen, Inselchinesen und ganz besonders Auslandschinesen – sind enorm pragmatische Individualisten, die ihre Freiheit und Autonomie lieben.
Ich habe keine Zweifel, dass die Chinesen sich pragmatischen Herzens und mit konfuzianischem Respekt und Selbstdisziplin den Wohlstand und damit die Freiheiten erreichen werden, die sie sich verdienen. Und sich vorher noch den Grossteil der Goldenen Medaillen einstecken werden …
Gil Grissom for President
Juli 29, 2008
In seinem Kommentar zu “Es reicht” (hier in diesem Theater) schrieb Picha, er wisse noch nicht ob er für Grissom statt der ZIB sei. Dem Bildungsauftrag des ORF folgend dürfte es hier aber keine Zweifel geben: CSI-Protagonist Gilbert Arthur “Gil” Grissom, Ph.D. hat den höheren Bildungswert. Vor allem charakterlich. Ein gut gezeichneter, bewundernswürdiger fiktionaler Charakter erhebt sich allemal über die Quotentaugliche Berichterstattung realer Peinlichkeiten.
Ich kenne kaum eine TV-Serie, die es über einen Zeitraum von mittlerweile über 8 Jahren geschafft hat, in homöopathischen Dosen die subtile Entwicklung eines unglaublich interessanten Charakters zu zeigen, ohne dabei allzuviel “Privates” über dem Zuschauer zu entleeren. Grissom’s Charakter wird aus der Herangehensweise an seine Arbeit gezeichnet, und die wenigen Hinweise über sein Leben darüberhinaus sind so vorsichtig über die Monate und Jahre verteilt, dass es schon fast an den legendären Special Agent Dale Cooper aus Twin Peaks heranreicht.
Drei Seasons wartet man etwa, bis er der mysteriösen Lady Heather seine Hobbies preisgibt: “”I have outlets. I read. I study bugs. I sometimes even ride roller coasters”. Und das war dann nicht einmal etwas neues – denn der forensische Entomologe (“The bug guy”), der laufend Shakespeare, Keats und Thoreau zitiert, wurde ca. eineinhalb Jahre vorher – nach einem emotional schwierigen Mordfall – in der Schlusssequenz auf einem Rollercoaster-Ride gezeigt.
DAS war nämlich die eigentliche Enthüllung, eine von jenen wenigen, die immer in Momenten eingesetzt werden, in denen keiner damit rechnet. Da schau her. Wirklich phantastisch. Jahrelang wird man als Zuseher gequält, ob der Misanthrop in Ansätzen, der seine zwischenmenschliche Schüchternheit selbst zugibt, nun was mit seiner ehemaligen Schülerin hat oder nicht. Sogar einen eigenen Fachausdruck gibt es dafür mittlerweile – “GSR” – statt Gunshot Residue: Grissom and Sara Romance. Und plötzlich liegen sie auf der Couch, im Kimono. Und obendrein, irgendwann mittendrin und aus dem Hinterhalt: Grissom beim Tee danach mit Lady Heather.
Grissom ist gut. Grissom hat Erfolg: Allein geschätzte 10.000 Fan Fictions beschäftigen sich mit ihm. Grissom for President! Der einzige Hacken an der Sache: Grissom ist der Prototyp des anti-politischen. Längst hätte er Karriere gemacht, wäre da nicht seine Abscheu vor politischen Spielen und politischem Handeln. Er schafft es in 8 Jahren nicht ein einziges Mal, dem Sherrif das, und nur das zu sagen, was er hören will. Er weiss es selbst: “It has cost me dear …”
Ach, wo kämen wir hin wenn es im wirklichen Leben mehr vom Schlage Grissoms gäbe – gerade in der Politik. Die ZIB wäre glatt wieder anzuschaun!
Karel Brückner oder Heide Schmidt
Juli 25, 2008
Zwei Personalentscheidungen haben es heute während des Tages zu den Spitzenmeldungen der heimischen Online-Medien geschafft: Karel Brückner wird neuer ÖFB-Teamchef und Heide Schmidt Spitzenkandidatin des LIF. Was ist wichtiger?
Außer den Grünen habe ich in meinem Leben bisher nur das Liberale Forum gewählt. Ich halte den Liberalismus für wichtig, besonders in diesem Land. Ich bewundere diejenigen Menschen, die für das Prinzip der Freiheit leben, gelebt haben und vielleicht auch gestorben sind. Zu meinen lebenden politischen Göttern gehören Nelson Mandela und Vaclav Havel, sowie in meiner persönlichen Umgebung mein Freund Hans Marsalek, der den Widerstand im KZ Mauthausen mit organisierte.
Dennoch habe ich mich letztendlich für die Grünen entschieden. Die Grünen in Österreich machen substanzielle Politik. Sie haben eine breite Basis und sie vertreten neben ihren Interessen vor allem auch ihre Prinzipien.
Es ist oft nicht leicht zu durchschauen, doch ich selbst bemühe mich, diese Prinzipien hochzuhalten. Und zu diesen Prinzipien gehört nicht zuletzt die Freiheit – auch und vor allem für Andere – auch wenn der Terminus “freiheitlich” in diesem Land seit Längerem eine begriffliche Amokfahrt vollführt.
Die drängenden Probleme unserer Welt können langfristig nur mit Hilfe der Grünen gelöst werden, davon bin ich zutiefst überzeugt. Armut und Abhängigkeit sind immer ein Mangel von erneuerbarer Energie. Und daher wünsche ich mir, dass die Grünen langfristig in ganz Europa zur jeweils stärksten Partei werden. Wir müssen nur lernen, dass wir nicht Politik für die Umwelt machen, sondern für die Menschen. Für uns. Für uns alle.
Wen würde Al Gore wählen? Wen Barack Obama? Wen Nelson Mandela? Und Vaclav Havel? Bei Hans Marsalek weiss ich es inzwischen, er hat es mir vorgestern erzählt. Er wählt die Grünen nicht. Die sind ihm zu liberal.
Und damit sind wir bei Karel Brückner angelangt.
Riegers Vorzugsstimme
Juli 21, 2008
Eigentlich wollte ich diesen Blogeintrag über Al Gore schreiben. Ich schreibe ihn auch über Al Gore, weil ich damit hoffe, auf Dich zu antworten. Als ich heute nochmals seine Washingtoner Rede vom Donnerstag nachlas, stiess ich wiederum auf jenen Doppelsatz, der mich schon beim ersten Zuhören wahrlich elektrisiert hat. Ich stelle ihn hier ganz unkommentiert hinein:
“We are borrowing money from China to buy oil from the Persian Gulf to burn it in ways that destroy the planet. Every bit of that’s got to change.”
Das ist einer jener Fälle, wo ich mich hinknien möchte vor demütiger Begeisterung. Du kennst mich gut genug, um zu wissen, dass das hie und da geschieht, zum Beispiel, wenn Carlos Kleiber den “Rosenkavalier” dirigiert in der Staatsoper im Winter 1994 oder ich das erste mal Feigensenf zur Käseplatte probiere in der Schleifmühlgasse vor zwei Jahren.
Albert Gore Junior gelingt es damit, die globale Herausforderung am Beginn des 21. Jahrhunderts in einem einzigen Gedanken gültig zusammenzufassen. Zack. Here we are. Dieser Satz schafft ein für alle mal gültige Wahrheit, ja mehr noch: Wirklichkeit. Das ist ja wirklich wahr.
Niemand kann ab heute mehr hinter diesen Gedanken zurück. Und selbstverständlich ist es notwendig, dass dieser Gedanke von Herrn Albert Gore Junior ausgesprochen wird, “who used to be the next president of the United States.” Selbstverständlich ist es notwendig, dass er in den Jahrzehnten davor Politikkarriere gemacht hat, bis ins Weisse Haus und darüber hinaus.
Daher kandidiere ich diesmal für die Grünen bei der Nationalratswahl. Warum dirigiert Carlos Kleiber den “Rosenkavalier”? Warum beginnt Maria Montessori vor hundert Jahren, mit Kindern zu arbeiten? Warum setzt sich Albert Einstein irgendwann mit den Experimenten von James Clerk Maxwell auseinander? Und warum hält Albert Gore am Donnerstag diese Rede?
Manchmal spüren wir Menschen, dass es passt. Da müssen wir diejenigen Dinge tun, die wir tun wollen. Und so will ich diesmal für die Grünen kandidieren. Und weil ich spüre, dass es passt, tue ich es dann auch. Worum es mir dabei grundsätzlich geht, habe ich in meiner Kandidatur formuliert: Kandidatur 2008. Dieser Text ist mein erstes Programm. Da steht drinnen, was mir politisch wichtig ist.
Ich bin ein Staubkorn im Universum. Und gerade deswegen freue ich mich, wenn Du mich wählst.
Hochverehrter Wurm. Du kandidierst also für die Grünen zum Nationalrat (Deinen Optimismus möchte ich haben …). Du willst wissen, wie Du zu meiner Vorzugsstimme kommst? (Du wolltest es ja wissen …)
Das ist für mich schwer in Worte zu fassen – ich probiers von hinten herum und hoffe, dass Du Dir einen Reim drauf machen kannst. In freudiger Erwartung Deines Wahlprogramms. Was kannst Du mir also bieten:
1. Meine persönliche Stimmungslage
Je mehr ich mich passiv mit dem politischen Geschehen befasse, desto unpolitischer werde ich. Ich finde zum Beispiel die aktuelle Weltwirtschaftslage äusserst spannend und denke mir, dass sich da im Moment ganz fundamentale Umbrüche und Konflikte aufbauen, die den europäischen Regierungen einen Tornado um die Ohren pfeifen werden, während Sie zum Beispiel gerade damit abgelenkt sind, das Internet zu überwachen oder Tierschützer zu jagen.
Ich habe langsam den Eindruck, dass Regierungen per se im wesentlichen das meiste falsch machen (müssen) und sich darüberhinaus unter einem offensichtlich systemimmanenten Regulierungszwang in jeden Scheissdreck einmischen, der sie eigentlich nichts angeht. Alle Wirtschaftsbereiche, in die Regierungen dieser Welt am allerliebsten hineinregulieren (Energie, Nahrungsmittel, Grunderwerb), sind genau jene, wo es am verrücktesten und verdrehtesten kracht und hinten und vorne nicht mehr zusammenstimmt. Vor lauter Rudern läuft alles aus dem Ruder. Mises, Ludwig von Mises - den sollte man jetzt lesen als Politiker. Egal ob man in Wien damit beschäftigt ist, ein absolut marodes Krankenkassensystem zu Tode zu flicken, oder in Washington zwei halblustige, halbstaatliche Hypothekarfinanzierer aus dem selbstverschuldeten Sumpf zu ziehen: es ist überall das gleiche Lied. Mises! Man könnte überhaupt die ganze Weltgeschichte als einen Prozess von Unterwerfung und Aneignung lesen, in der die “modernen” Regierungen bloss die bis dato “subtilsten” Techniken entwickelt haben …
2. Meine Desillusion
Ein Al Gore, der sein Land dazu aufruft, binnen 10 Jahren das fossile Drama zu 100% zu beenden, der ist ein Held für mich. Bewundernswert verrückt. Aber im weissen Haus wäre er vor lauter Regulierungsdrang und -Zwang nie und nimmer zu solcher Klarheit emporgestiegen. Was willst Du im Nationalrat, Herr Wurm? Grüne Beihilfe zur Selbstaufgabe? Sollten die Grünen jemals in irgendein Regierungsbett steigen können, werden sie auch schon lange nicht mehr grün gewesen sein …
3. Mein Christkindlwunsch
Am liebsten wäre mir eine Regierung, die sich im Amt selbst beschneidet. Eine Regierung, die ent-regiert. Eine Regierung, die sich selbst überwindet. Mit Himbeergeschmack, bitte. Welcome to Utopia …
Kannst Du das für mich erledigen?
Lieblingsfarbe: Grün
Juli 18, 2008
Vorgestern erhielt ich ein Mail, in dem für den nächsten Tag eine historische Rede meines Helden Al Gore angekündigt wurde. Heute früh sah ich diese Rede auf wecansolveit.org und las mittags einen Artikel darüber in der New York Times. Al Gore spricht darin über das dreifache Problem der USA – Sicherheit, Wirtschaft und Umwelt – und die einfache Lösung: Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen innerhalb der nächsten zehn Jahre und Umstieg auf erneuerbare Energie.
Gestern fand ich einen Brief der Grünen in meinem Postkasten. Darin enthalten war eine Einladung. Heute Vormittag, auf dem Weg zur Arbeit, beschloss ich, diese Einladung anzunehmen. Ich kandidiere für die Grünen bei der Nationalratswahl 2008.
Bitte keine Schweinderl
Juli 16, 2008
Lieber Wurm, ich klage an: Ich habe zwei Stunden meines Lebens vergeudet, um in Politikerbiographien nach passenden Töchtern zu suchen. Freilich ohne Ergebnis. Ich warne Dich: wenn Du nochmal so ein blödes Rätsel stellst, kauf ich mir so ein Moltofon und interveniere noch bevor Du die Überschrift fertig getippt hast.
Und nachdem das Basteln von Wahlplakaten gerade en vogue ist, überbringe ich meine Botschaft in Form eines Wahlplakats – ich hätte natürlich viel mehr und bedeutenderes zu diesem Thema zu sagen, aber die Form verlangt einfach nur ein grosses Gesicht und eine schlichte Botschaft. Alles andere bleibt ohne Erfolg. So wie die erste Staffel von Robert Lembke’s Schweinderl-Show, die anno 1955 unter dem kuriosen Titel „Ja oder Nein. Ein psychologisches Extemporale mit sieben unbekannten Größen“ gescheitert ist. Natürlich schade um den herrlichen Titel …
Wie Du weisst habe ich ja auch kurz gezuckt, mich an der Grüne-Plakate-Aktion zu beteiligen, doch so hoffnungsfroh der ganze losgetretene Prozess auch ist, finde ich mittlerweile doch, dass es ohnehin reichlich Schweinderl gibt, die nun monatelang von den Plakatständern gucken und die Passanten verschrecken werden. Mein Rat an die Grünen daher: Macht was sinnvolles und lustiges aus der ganzen Aktion, aber KEINE PLAKATE. Die wahre Herausforderung: wie kann ein derartiger Dialog auf jene übergreifen, die nicht Eure sowieso-schon-Wähler sind.
Fröhliches Personenraten
Juli 14, 2008
Sie werden gerne als Workoholic dargestellt, der die Akten sogar am Nachtkästchen liegen hat…
“Es stimmt, dass ich oft erst gegen 2 Uhr morgens nach Hause komme, weil ich viel durch die Bundesländer toure und selbst im Auto noch Akten lese, aber wenn ich dann nach Hause komme, dann lese ich nichts mehr (lacht).”
Ist die Tagespolitik auch Thema in Ihrer Ehe oder vermeiden Sie sie bewusst?
“Ich werde von meiner Frau hart kritisiert und manchmal sogar härter als in der Partei und das heisst was, in Zeiten wie diesen (lacht).”
Ihre Tochter ist fünf Jahre alt, also in einem besonders süßen Alter. Fehlen Sie ihr, fragt Flora oft nach Ihnen?
“Ja, sie fragt schon öfters nach mir. Ich bemühe mich, dass ich sie einmal pro Woche zum Kindergarten bringe. Aber das stresst mich mehr als ein parlamentarischer Ausschuss, weil sie sich natürlich alle Zeit dieser Welt lässt und oft noch fünfmal das T-Shirt wechselt, bis wir ausser Haus gehen können (lacht).”
Wer ist der Strengere bei der Erziehung?
“Das kann ich eindeutig beantworten. Ich bin es nicht, weil ich meistens für die Argumente meiner Tochter leichter zugänglich bin (lacht).”
“Deswegen ist unsere Tochter auch ein ausgeprägter Hansi Hinterseer-Fan, weil sie bei den Großeltern alle CDs hört (lacht).”
Wer bin ich?
Lieber Armin Thurnher,
Juli 9, 2008
Ihre Analyse zum Fall Gusenbauer ärgert mich. Sie präsentieren Alfred Gusenbauer als Opfer. Das passt zwar gut in die kollektive Symptomatik dieses Landes, entschuldigt aber nicht die Handlungsunfähigkeit. “Die Wege entstehen im Gehen” zitieren Sie beide gemeinsam, daher ist der Stillstand unter diesem Regierungschef auch so unerträglich geworden. Alfred Gusenbauer wollte um jeden Preis Bundeskanzler sein. Letztendlich war niemand mehr bereit, diesen Preis zu bezahlen. Ich atme auf.
Es reicht
Juli 8, 2008
Mit diesen zwei Worten hat der österreichische Vizekanzler Teil eins meines Wunsches erfüllt und das Ende der “Wurstel-Truppe” (Spiegel-Online) besiegelt. Da er sich aber dem zweiten Teil meines Begehrens verweigerte und sich selbst zum Spitzenkandidaten der ÖVP aufstellen ließ, stehe ich gemeinsam mit allen politischen Beobachtern dieses Landes vor dem Grauen des “more of the same”. Was, bitteschön, soll sich durch Neuwahlen ändern?
Die Charakteristik der österreichischen Parteienlandschaft beinhaltet die Berührungsängste mit dem rechten Rand: Wer legt sich gerne mit einem Partner mit Mundgeruch und Achselschweiss ins Bett? Und so scheint die weitere Paralyse des politischen Systems unausweichlich. Realistische Chancen einer neuen Zusammenarbeit hat wiederum nur die so genannte große Koalition. Die einzige Möglichkeit, diesen Schrecken zu überwinden, liegt im Erstarken der Grünen. Wer auf einen kreativen und konstruktiven Wechsel in der österreichischen Politik hofft, der muss zwangsläufig die Grünen unterstützen – und sie auch wählen. Denn nur so kann die katastrophale Alternative Stillstand oder Niedertracht durchbrochen werden.
Um das zu ermöglichen, müssen sich aber auch die Grünen ändern und endlich Richtung Mitte wandern. Mit dem permanenten Einsetzen für lesbische alleinerziehende Radfahrer mit Hanfplantage und Migrationshintergrund ist auf Dauer kein Staat zu machen. Minderheitenschutz ist edel und notwendig, hat jedoch nur einen Sinn, wenn ich damit die Mehrheit anspreche. Die Grünen müssen endlich kommunizieren, dass sie sich nicht nur für die Umwelt, sondern vor allem für die Menschen einsetzen. Nichts anderes verlangt Politik.
Fundi? Realo?
Normalo.
Es reicht.

